ERIH in Nordrhein-Westfalen


ERIH, die Europäische Route der Industriekultur, ist das touristische Informationsnetzwerk zum industriekulturellen Erbe in Europa. Auf der ERIH-Webseite werden über 1.500 Standorte in 47 Ländern vorgestellt. Zu ihnen gehören über 100 bedeutende und touristisch besonders attraktive Industriekulturorte, die "Ankerpunkt" genannt werden und die virtuelle ERIH-Hauptroute bilden. Regionale Routen führen vertiefend in die Industriegeschichte von Landschaften ein, die von der Industrialisierung besonders geprägt wurden. Alle Standorte sind dreizehn Europäischen Themenrouten zugeordnet, die die Vielfalt und Verflechtungen europäischer Industriegeschichte und ihre gemeinsamen Wurzeln aufzeigen. Das Netzwerk wird von einem Verein getragen, der über 250 Mitglieder in 25 europäischen Ländern hat.

Falls die Struktur von ERIH bekannt vorkommt, kommt das nicht von Ungefähr. Kurz nach Eröffnung der „Route der Industriekultur“ im Ruhrgebiet im Jahr 1999 wandte sich die am Routenaufbau beteiligte (mittlerweile aufgelöste) Deutsche Gesellschaft für Industriekultur mit der Anregung an das Land NRW, ein europaweites Netzwerk aufzubauen, das die Entwicklung der Industriekultur hin zu einer „Marke“ im Tourismusbereich unterstützt. Von der Idee konnten Partner aus verschiedenen Ländern (GB, NL, B und D) überzeugt werden. Gemeinsam beantragte man Mittel aus dem EU-Förderprogramm INTERREG-IIC (Nord-West-Europa) für die Erarbeitung eines Masterplans - und hatte Erfolg. Der 2001 vorgelegte Masterplan zeigt das tourismuswirtschaftliche Potenzial einer „Marke Industriekultur“ auf und stellt die mögliche Struktur eines europaweiten Netzwerkes vor (Ankerpunkte und deren Auswahlkriterien, regionale Routen, Themenrouten). Mit einer weiteren Förderung der EU (INTERREG IIIB-Nord-West-Europa) konnte der Aufbau von ERIH dann in den Jahren 2003-2008 realisiert werden, zunächst in den Ländern Nordwesteuropas (Förderbereich), gegen Ende der geförderten Aufbauphase bereits mit einer ersten Ausdehnung auf weitere Länder. Mittlerweile stellt ERIH industriekulturelle Standorte in 47 Ländern Europas vor. Seit dem Jahr 2015 wird ERIH mit Mitteln des EU-Förderprogramms "Creative Europe" unterstützt.

Ankerpunkte bilden die virtuelle Hauptroute
Die ERIH-Struktur lehnt sich eng an die der Ruhrgebietsroute an, die von den diskutierten Alternativen als optimal angesehen wurde. Die besonders herausgehobenen Repräsentanten des ERIH-Netzwerkes, quasi dessen Rückgrat, sind die sogenannten „Ankerpunkte“. Sie bilden die virtuelle Hauptroute und werben für die industrietouristische Marke „ERIH“. Von den Ankerpunkten (über 100 - davon 10 in NRW) wird erwartet, dass sie ihren Besuchern „enttäuschungsresistente“ Angebote und Dienstleistungen bieten. Daher müssen die als Ankerpunkt herausgestellten Standorte besondere Auswahl- und Qualitätskriterien hinsichtlich ihrer industriegeschichtlichen Bedeutung, einer attraktiven Präsentation des Themas und ihrer touristischen Infrastruktur erfüllen. Über den Antrag eines Standortes auf Anerkennung als Ankerpunkt entscheidet der ERIH-Vorstand in einem festgelegten Verfahren.

Regionale Routen erschließen die Industriegeschichte von Regionen
Einen Schwerpunkt des Netzwerkaufbaus nimmt die Entwicklung regionaler Routen ein. Zahlreiche Regionen Europas wurden von der Industrialisierung besonders geprägt und verfügen über ein touristisch interessantes industrielles Erbe. ERIH animiert und unterstützt daher Akteure vor Ort, ihre Standorte im Rahmen regionaler Netzwerke (oder Routen) vorzustellen, touristisch in Wert zu setzen, touristische Angebote zu entwickeln, diese zu bewerben und zu vermarkten. NRW ist mit drei regionalen Routen im ERIH-Netzwerk vertreten: mit der „Route der Industriekultur“ im Ruhrgebiet, der Route „Täler der Industriekultur“, die sich über das Bergische Land und Südwestfalen erstreckt, sowie der grenzüberschreitenden (NRW, B, NL) Route „Euregio Maas-Rhein“. Bereits existierende regionale Routen sind eingeladen, sich auf der ERIH-Webseite vorzustellen.

Themenrouten zeigen die europaweiten Verbindungen auf
Ein Anliegen des ERIH-Projektes war von Anfang an der schrittweise Aufbau eines Internetportals, auf dem Interessierte einen Überblick über die touristisch interessantesten industriekulturellen Standorte in ganz Europa erhalten. Und so enthält die der ERIH-Webseite zugrunde liegende Datenbank nicht nur Ankerpunkte und die Standorte der regionalen Routen, sondern zahlreiche weitere Standorte, mittlerweile insgesamt über 1.500 in 47 Ländern Europas. Alle Standorte sind 13 Themenrouten (mit 36 Unterrouten) zugeordnet, die - gemeinsam mit den Biografien sowie Beiträgen über die Industriegeschichte vieler Länder - die historischen Zusammenhänge der verschiedenen Industriezweige aufzeigen und das spannende Bild des gemeinsamen europäischen Industriekulturerbes abbildenden. Aus NRW werden 86 touristisch attraktive Standorte vorgestellt.

Biografien stellen Persönlichkeiten vor, die die Industriegeschichte beeinflußt haben
Die Geschichte der Industrialisierung Europas wird jedoch nicht nur durch bauliche Zeugnisse erzählt. Ebenso wichtig sind die Menschen: Erfinder, Unternehmer, Finanziers und insbesondere die Arbeiter. Daher stellt ERIH auch 140 Biographien von Persönlichkeiten vor, die die europäische Industriegeschichte beeinflusst haben.

Öffentlichkeitsarbeit durch Crossmarketing
Um die Marke „ERIH“ bekannt zu machen, wurde ein Corporate Design entwickelt, das ein gemeinsames Logo, eine Beschilderung vor Ort und Medien zur Information beinhaltet. Hauptmarketinginstrument ist die zweisprachige ERIH Webseite. Außerdem setzt das ERIH Netzwerk auf das Crossmarketing der Standorte. Diese bewerben sich gegenseitig am Standort und in den Werbemedien und zeigen interessierten Besuchern, wo überall in Europa Industriekultur erlebbar ist. Davon profitieren alle Standorte und erreichen einen größeren Bekanntheitsgrad. Die ERIH-Webseite ist hierfür beispielgebend: über 3.000 Links führen zu weiteren Informationen über die europäische Industriekultur und stellen ihre Netzwerke und Standorte ausführlich vor.

Träger des Netzwerkes: der ERIH e.V.
Nach dem Auslaufen der öffentlichen Förderung hat sich das Netzwerk auf „juristische Füße“ gestellt. 17 Personen bzw. Institutionen aus 3 Ländern gründeten 2008 einen Verein nach deutschem Recht, dessen Mitgliederzahl mittlerweile auf über 250 aus 25 Ländern Europas angewachsen ist: Industriekulturstandorte, Organisationen aus Tourismus und Wirtschaft, Behörden, Denkmalpfleger, interessierte Einzelpersonen und andere Akteure, die sich mit dem Thema Industriekultur beschäftigen. Der von der Mitgliederversammlung gewählte Vereinsvorstand hat eine Geschäftsstelle eingerichtet, die das Netzwerk koordiniert.

 


 

Links zu weiterführenden Informationen

ERIH - European Route of Industrial Heritage >>


Die ERIH-Ankerpunkte in NRW:

LWL-Industriemuseum TextilWerk | Bocholt >>
LWL-Industriemuseum Zeche Zollern II/IV | Dortmund >>
Landschaftspark Nord | Duisburg >>
Welterbe Zeche und Kokerei Zollverein | Essen >>
LVR-Industriemuseum Tuchfabrik Müller | Euskirchen >>
LWL-Industriemuseum Henrichshütte | Hattingen >>
LWL-Industriemuseum Ziegeleimuseum Lage | Lage >>
Gasometer | Oberhausen >>
LVR-Industriemuseum Gesenkschmiede Hendrichs | Solingen >>
LWL-Industriemuseum Schiffshebewerk Henrichenburg | Waltrop >>