Daten zur Industriekultur in NRW

 


Nordrhein-Westfalen ist die Region mit der dichtesten Industriekulturlandschaft in Europa; hierzu nachfolgend einige Daten.

Diesen vorangesetzt zunächst die Definition des Begriffs Industriekultur, wie sie in der "Charta Industriekultur NRW 2020" vorgenommen wurde:


"Die Akteure der Industriekultur sind einem breiten Begriff der Industriekultur verpflichtet, der nicht nur die unmittelbaren Hinterlassenschaften und Sachzeugen der Industriegeschichte umfasst, sondern auch das der Industrie zugehörige Umfeld mit den daraus entstandenen infrastrukturellen, städtebaulichen, sozialen, politischen sowie alltagskulturellen Zeugnissen. Einbezogen sind auch immaterielle Zeugnisse wie persönliche Erinnerungen und gesellschaftliche Überlieferungen. Zur Industriekultur gehören alle Aktivitäten des Bewahrens und Nutzens dieser Hinterlassenschaften sowie deren Deutung und Vermittlung durch interdisziplinäre Bemühungen aller Art, d.h. auch als Teil einer regionalen, in den Kommunen verankerten Geschichtskultur."

 


 

3.500 Industriedenkmäler
In NRW sind über 3.500 Objekte (Einzelbauten, Ensembles, Gesamtanlagen) als Industriedenkmäler geschützt. Der größte Teil davon dient im optimalen Fall noch dem ursprünglichen Zweck oder ist umgenutzt für Gewerbe, Handwerk, Handel, Dienstleistung oder zu Wohnungen.

Am „öffentlichkeitswirksamsten“ sind die Industriedenkmäler, die heute kulturellen Zwecken oder der Freizeit dienen und/oder in sonstiger Weise touristisches Potenzial aufweisen. Zu diesen gehören

40 Industriemuseen
die am authentischen Ort, in der ehemaligen Produktionsstätte eingerichtet wurden

weitere rd. 230 Museen stellen Industriekultur vor
die Industriegeschichte einer Stadt, einer Region oder bestimmter Industriezweige

12 Besucher-/Anschauungsbergwerke
am Originalabbauort oder in Museen nachgebildet führen in die Arbeitswelt unter Tage

14 Museumseisenbahnen
ermöglichen Reisen mit historischen Verkehrsmitteln; auf einigen Strecken oder an bestimmten Fahrtagen auch "unter Dampf"

Portal der Industriekultur
Die touristisch interessantesten Standorte der Industriekultur in Nordrhein-Westfalen (rd. 90) werden im „Portal der Industriekultur“ auf dem Welterbe Zollverein in Essen vorgestellt

350 Initiativen
Über 350 bürgerschaftlich getragene Vereine, Initiativen pp., setzen sich für Erhaltung und Vermittlung des industriellen Erbes ein, zumeist für einzelne Denkmäler oder als Fördervereine für Museen 

 


 

Entwicklungsschritte

1968 bürgerschaftliches Engagement zur Erhaltung von Arbeitersiedlungen sowie einzelner bedeutender Stätten des industriellen Erbes wie die Jugendstil-Maschinenhalle der Zeche Zollern in Dortmund oder die Ravensberger Spinnerei in Bielefeld führt zur Bewusstseinsbildung für das industrielle Erbe bei administrativ und politisch Verantwortlichen

Ende 1970er Jahre Inventarisation potenzieller Industriedenkmäler durch die Denkmalämter der Landschaftsverbände zur Vorbereitung des nordrhein-westfälischen Denkmalschutzgesetzes (DSchG)

1980 Denkmalschutzgesetz NRW schützt „Zeugnisse der Arbeits- und Produktionsverhältnisse“

1979,1984 Gründung der Industriemuseen der Landschaftsverbände zur Erhaltung, denkmalgerechten Instandsetzung und Präsentation (Dauer- und Sonderausstellungen) ausgesuchter bedeutender Denkmäler verschiedener Industriezweige einschl. Sozialgeschichte, dezentral, am authentischen Produktionsort – heute: 15 Standorte

1989-1999 Internationale Bauausstellung (IBA) Emscher Park nimmt sich ausgesuchter großvolumiger Industriedenkmäler an, entwickelt – oft gegen Widerstände vor Ort - Erhaltungs-, Instandsetzungs- und Nutzungskonzepte für gewerbliche, Wohn- und kulturelle Nutzung; „Inszenierung“ und Bespielung (wie Zeche und Kokerei Zollverein in Essen, Landschaftspark Nord in Duisburg, Gasometer Oberhausen)

1995 Zur Bewahrung besonders bedeutender Industriedenkmäler gründen das Land NRW sowie die RAG Aktengesellschaft die Stiftung Industriedenkmalpflege und Geschichtskultur (Industriedenkmalstiftung), die ausgewählte Objekte in ihr Eigentum übernimmt, sofern kein anderer Eigentümer gefunden werden kann

1999 Eröffnung der Route der Industriekultur, ein Netzwerk zur touristischen Vermarktung des industriellen Erbes als zentraler Baustein (Alleinstellungsmerkmal) einer Tourismusstrategie für das Ruhrgebiet; die Route ist Vorbild für das von NRW initiiertes europaweite industrietouristische Netzwerk ERIH - European Route of Industrial Heritage

2000 "Jahr der Industriekultur" wirbt mit rd. 1.000 Veranstaltungen für das industrielle Erbe

2001 Aufnahme von Zeche und Kokerei Zollverein in Essen in die UNESCO-Liste des Welterbes

2002 neues Festival Ruhr Triennale bespielt Stätten der Industriekultur; Hauptspielorte: Jahrhunderthalle Bochum, Kraftzentrale und Gebläsehalle im Landschaftspark Nord in Duisburg

2010 Eröffnung „Portal der Industriekultur“ auf Zollverein, europaweit einmalige Informationseinrichtung, die mit verschiedenen Medien die herausragenden Standorte des industriellen Erbes im Ruhrgebiet, in NRW sowie europaweite „Meilensteine“ präsentiert

2010 Kulturhauptstadt Europas RUHR 2010 stellt Industriekultur besonders heraus: allein auf dem Welterbe Zollverein in Essen 2,2 Mio. Besucher

2011 Berufung der „AG Industriekultur NRW“ mit Vertreter/innen von Einrichtungen, Institutionen und regionalen Netzwerken der Industriekultur sowie von Tourismusorganisationen; AG erarbeit „Charta Industriekultur NRW 2020“, die auf dem Kongress „Industriekultur NRW 2020“ vorgestellt wird

2012 Vorschlag des Landes NRW an den Bund, die Erweiterung des Welterbes Zollverein um „die industrielle Kulturlandschaft Ruhrgebiet“ in die deutsche Tentativliste des UNESCO-Welterbes aufzunehmen, wird von der Kulturminsiterkonferenz im Jahr 2014 nicht gefolgt mit der Aufforderung, den Antrag auf der Grundlage weiterer Forschung weiter zu verfolgen

 


  

Links zu weiterführenden Informationen

Ministerium für Bauen, Wohnen, Stadtentwicklung und Verkehr >>